Was schätzen Sie: Wie viele Beschäftigte in Deutschland fühlen sich ihrem Arbeitgeber wirklich verbunden? Es ist nur jeder Zehnte. Laut Engagement Index 2025 von Gallup haben 10 Prozent eine hohe emotionale Bindung, 77 Prozent eine geringe und 13 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Die Produktivitätsverluste durch innere Kündigung beziffert Gallup auf mindestens 119 Milliarden Euro pro Jahr (Quelle: Gallup Engagement Index Deutschland 2025).
Gallup sieht die Ursache vor allem in der Führung. Und Führung erreicht die Belegschaft zum größten Teil über Kommunikation: was gesagt wird, wie oft, über welchen Kanal und ob jemand zuhört. Gute interne Kommunikation heißt deshalb vor allem: die richtigen Informationen in der richtigen Menge über wenige, verlässliche Kanäle verteilen, Rückmeldung ermöglichen und als Führungskraft selbst vorleben, was man von anderen erwartet. Die zehn häufigsten Fehler auf diesem Weg und was Sie jeweils stattdessen tun, haben wir aus unserer Arbeit an internen Videoformaten zusammengestellt.
Die 10 No-Gos auf einen Blick
| No-Go | Was stattdessen funktioniert |
|---|---|
| 1. Ein Medium mit zu kleiner Reichweite | Mehrere Kanäle gezielt kombinieren |
| 2. Informationen im falschen Maß | Vorher klären, wer was wirklich wissen muss |
| 3. Kommunikation ohne klare Regeln | Eine verantwortliche Stelle, die bündelt und verteilt |
| 4. Am Altbewährten festhalten | Kanäle an die Mediennutzung der Belegschaft anpassen |
| 5. Monolog statt Dialog | Feedback einsammeln, auch anonym |
| 6. Zu viele Kommunikationswege | Auf zwei bis drei Kanäle mit klarer Rolle beschränken |
| 7. Fehlende Vorbildfunktion | Neue Regeln zuerst in der Führungsebene leben |
| 8. Informationen nur auf Zuruf | Wissen dauerhaft abrufbar bereitstellen |
| 9. Verfehlte Ansprache | Sprache der Zielgruppe statt Fachjargon |
| 10. Keine Wertschätzung zeigen | Anlässe für Anerkennung bewusst nutzen |
No-Go 1: Ein Medium mit zu kleiner Reichweite
Die wichtigste Mitteilung des Quartals steht im Mitarbeitermagazin, das ein Drittel der Belegschaft nie aufschlägt. Das Ergebnis sind Mitarbeitende mit lückenhaftem und unterschiedlichem Kenntnisstand. Besonders betroffen sind Kolleginnen und Kollegen ohne festen Schreibtisch, in Produktion, Logistik oder Außendienst.
Was stattdessen funktioniert: Kombinieren Sie Kanäle gezielt. Der Artikel im Magazin bekommt eine kurze Mail mit den Kernpunkten und ein Video, das im Intranet, auf dem Bildschirm in der Kantine und auf dem Smartphone läuft. Video hat hier einen praktischen Vorteil: Dieselbe Datei funktioniert in fast jedem Kanal, vom Kick-off-Meeting bis zur Teams-Nachricht.
No-Go 2: Informationen im falschen Maß
Zu viel Information erzeugt Rauschen, zu wenig erzeugt Gerüchte. Beides verunsichert. Wer jede Kleinigkeit an alle schickt, trainiert die Belegschaft darauf, Rundmails zu überspringen. Wer wichtige Fragen offenlässt, überlässt die Antwort dem Flurfunk.
Was stattdessen funktioniert: Klären Sie vor jeder Mitteilung zwei Fragen. Was müssen die Empfänger wissen, um ihre Arbeit zu machen und die Unternehmensziele umzusetzen? Und welche Abteilungen betrifft das überhaupt? Dann verteilen Sie gezielt statt flächendeckend.
No-Go 3: Kommunikation ohne klare Regeln
Wenn jede Abteilung selbst entscheidet, was sie wann wie verkündet, entstehen widersprüchliche Botschaften. Die Stimmung leidet, und das Vertrauen in die Geschäftsführung gleich mit.
Was stattdessen funktioniert: Legen Sie eine verantwortliche Stelle fest, die Informationen aus den Bereichen sammelt, ordnet und in einheitlicher Form verteilt. Das sorgt nicht nur für Klarheit, es zeigt auch, dass die Führung den Überblick hat.
No-Go 4: Am Altbewährten festhalten
Aushang, Flyer und Rundmail waren lange die Standardwerkzeuge. Wer ausschließlich daran festhält, verliert die Belegschaft, die längst anders Informationen aufnimmt.
Was stattdessen funktioniert: Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden, welche Medien sie tatsächlich nutzen, zum Beispiel per kurzer Online-Umfrage. Testen Sie danach ein neues Format in einem überschaubaren Bereich, bevor Sie es ausrollen. Ein guter Einstieg ist ein kurzes, regelmäßiges Video-Update der Geschäftsführung.
No-Go 5: Monolog statt Dialog
Interne Kommunikation, die nur sendet, hört nicht, was in der Belegschaft passiert. Sorgen und Ideen bleiben unausgesprochen, Probleme in Teams und Prozessen werden zu spät sichtbar.
Was stattdessen funktioniert: Schaffen Sie feste Wege für Rückmeldung: anonyme Pulsbefragungen, Fragerunden nach dem Townhall-Meeting, eine Kommentarfunktion im Intranet. Wichtig ist, dass sichtbar wird, was mit dem Feedback passiert. Sonst versiegt es nach der zweiten Runde.
No-Go 6: Zu viele Kommunikationswege
Das Gegenstück zu No-Go 1: Wer jede Information über jeden verfügbaren Kanal schickt, erzeugt keine Reichweite, sondern Verwirrung. Niemand weiß mehr, wo welche Information zu finden ist.
Was stattdessen funktioniert: Beschränken Sie sich auf zwei bis drei Kanäle und legen Sie fest, welcher Kanal wofür zuständig ist. Zum Beispiel: Intranet für alles Dauerhafte, Chat für Kurzfristiges, Video für Strategie und Veränderung. Und dann halten Sie sich daran.
No-Go 7: Fehlende Vorbildfunktion
Die neue Kommunikationsrichtlinie gilt seit Wochen, und trotzdem nutzt kaum jemand das neue Tool. Oft liegt es daran, dass die Führungsebene selbst weiter auf den alten Wegen kommuniziert.
Was stattdessen funktioniert: Neue Kanäle und Regeln starten in der Führungsebene. Wenn die Geschäftsführung das neue Format selbst nutzt, ist das die stärkste Einladung an alle anderen. Bei größeren Veränderungen hilft Video zusätzlich, den Grund für den Wandel greifbar zu machen. Wie das aussieht, zeigt unsere Seite zu Videos im Change-Management.
No-Go 8: Informationen nur auf Zuruf
Wenn Wissen nur dann fließt, wenn die Führung es für nötig hält, bleiben Mitarbeitende in einer passiven Rolle. Wissenslücken bleiben bestehen, und das Arbeitsniveau sinkt.
Was stattdessen funktioniert: Stellen Sie Wissen so bereit, dass jeder es abrufen kann, wenn er es braucht. Eine Bibliothek aus kurzen Schulungsvideos zu Prozessen, Systemen und Abläufen ist dafür besonders geeignet: Neue Kolleginnen und Kollegen lernen im eigenen Tempo, und die Fachabteilung erklärt dasselbe nicht zum zwanzigsten Mal.
No-Go 9: Verfehlte Ansprache
Die Mitteilung ist sorgfältig recherchiert, aber in der Sprache der Controlling-Abteilung geschrieben. In der Produktion versteht sie niemand. Dann ist das Ziel verfehlt, egal wie gut der Inhalt war.
Was stattdessen funktioniert: Schreiben und sprechen Sie in der Sprache der Zielgruppe. Fachbegriffe raus, Beispiele aus dem Arbeitsalltag rein. Komplexe Zahlen und Abläufe lassen sich in einem animierten Erklärvideo oft verständlicher zeigen als in einer Tabelle.
No-Go 10: Keine Wertschätzung zeigen
Wer interne Kanäle nur für Ankündigungen und Pflichtinformationen nutzt, verschenkt ihre stärkste Wirkung: Bindung. Gerade weil die emotionale Bindung in Deutschland so niedrig ist, zählt jede Gelegenheit, Anerkennung sichtbar zu machen.
Was stattdessen funktioniert: Nutzen Sie Anlässe bewusst: Firmenjubiläen langjähriger Mitarbeitender, erreichte Ziele, abgeschlossene Projekte, Feiertage. Ein persönlicher Videogruß der Geschäftsführung oder ein kurzer Film über ein Team transportiert Anerkennung mit Stimme, Gesicht und Bild. Das wirkt anders als ein Satz im Newsletter.
Welche Rolle spielt Video in der internen Kommunikation?
Video löst nicht jedes der zehn Probleme. Regeln, Zuständigkeiten und Vorbildfunktion sind Führungsaufgaben. Bei vier No-Gos ist Video aber ein starkes Werkzeug: Es erhöht die Reichweite (No-Go 1), macht Wissen dauerhaft abrufbar (No-Go 8), übersetzt komplexe Inhalte in verständliche Bilder (No-Go 9) und transportiert Wertschätzung persönlicher als Text (No-Go 10).
Aus über 6.000 Projekten wissen wir: Intern schlägt die Regelmäßigkeit den Hochglanz. Ein kurzes, glaubwürdiges Format im festen Rhythmus erreicht mehr als ein aufwendiger Film einmal im Jahr. Welche Formate sich dafür eignen, zeigt unsere Übersicht zu Videos in der internen Kommunikation.
Checkliste zum Herunterladen
Die zehn No-Gos und ihre Alternativen gibt es auch als kompakte Checkliste zum Ausdrucken: Checkliste „Die 10 schlimmsten No-Gos in der internen Kommunikation” (PDF).
Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Fehler in der internen Kommunikation?
Die häufigsten Fehler sind Kanäle mit zu geringer Reichweite, zu viele oder zu wenige Informationen, fehlende Zuständigkeiten, reine Einweg-Kommunikation ohne Feedback, zu viele parallele Kanäle, eine Führungsebene, die neue Regeln selbst nicht lebt, und fehlende Wertschätzung.
Wie viele Kanäle sollte die interne Kommunikation haben?
Zwei bis drei Kanäle mit klar verteilten Rollen sind ein guter Richtwert, zum Beispiel Intranet für dauerhafte Informationen, Chat für Kurzfristiges und Video für Strategie und Veränderung. Entscheidend ist, dass jeder weiß, wo welche Information zu finden ist.
Wie erreicht man Mitarbeitende ohne Schreibtisch?
Über kurze Formate fürs Smartphone, Videos mit Untertiteln für laute Umgebungen und Bildschirme an Orten, an denen sich die Belegschaft ohnehin aufhält, etwa in Pausenräumen oder an Schichtübergaben.
Warum ist die Mitarbeiterbindung in Deutschland so niedrig?
Laut Gallup Engagement Index 2025 haben nur 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Gallup sieht die Hauptursache in der Führung: Gute Führungskräfte hören zu, fragen nach der Meinung ihrer Mitarbeitenden und geben regelmäßig Feedback (Quelle: Gallup Engagement Index Deutschland 2025).
Wann lohnt sich Video in der internen Kommunikation?
Immer dann, wenn eine Botschaft viele Menschen erreichen soll, die nicht am selben Ort sitzen, wenn ein Ablauf wiederholt erklärt werden muss oder wenn es um Veränderung und Anerkennung geht, also um Themen, bei denen Stimme und Gesicht mehr bewirken als Text.
