Was schätzen Sie: Wie lange plant ein Hollywood-Studio einen Film, bevor die erste Klappe fällt? Und wie lange wird danach tatsächlich gedreht?
Die meisten tippen auf ein paar Wochen Vorbereitung und viele Monate Dreh. Es ist umgekehrt. Der Filmanalyst Stephen Follows hat 782 Studiofilme aus den Jahren 2006 bis 2016 ausgewertet: Die Vorbereitung dauerte im Mittel 146 Tage, der Dreh nur 106 Tage (Quelle: Stephen Follows). Hollywood plant also länger, als es dreht. Bei Pixar ist das Verhältnis noch deutlicher: Für Toy Story 3 haben zehn Story-Artists 49.651 Storyboard-Bilder gezeichnet, für einen Film von 103 Minuten (Quelle: Boston University).
Der Grund dafür gilt für jedes Unternehmensvideo genauso: Das Storyboard ist der günstigste Moment im ganzen Projekt, um etwas zu ändern. Eine Szene auf Papier umzustellen, kostet ein paar Minuten. Am Set kostet dieselbe Änderung eine Umbaupause mit Crew, Licht und Protagonisten. Im fertigen Schnitt ist sie oft gar nicht mehr möglich, weil das passende Bild nie gedreht wurde.
Ein Storyboard ist der gezeichnete Plan eines Videos, Szene für Szene. Jedes Bild zeigt, was zu sehen ist, dazu stehen Sprechertext, Ton, Kameraeinstellung und Dauer. Sie erstellen es in sechs Schritten: Kernaussage festlegen, Skript schreiben, Szenen gliedern, Bilder skizzieren, Text und Dauer abgleichen, freigeben lassen. Zeichnen können müssen Sie dafür nicht, Strichmännchen reichen.
Dieser Leitfaden zeigt, wie ein Storyboard aufgebaut ist, wie Sie es selbst erstellen und wie eine Produktionsfirma daraus die Unterlagen für den Drehtag ableitet. Am Ende finden Sie eine Storyboard-Vorlage als PDF zum Ausdrucken.
Was ist ein Storyboard?
Ein Storyboard (auch Story-Board, Shootingboard oder Bildergeschichte) ist eine Abfolge von Skizzen, die den Ablauf eines Videos Bild für Bild darstellt. Es kommt ursprünglich aus dem Zeichentrickfilm und gehört heute zu jeder professionellen Videoproduktion, vom Erklärvideo bis zum Imagefilm.
Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei Dokumenten, die oft verwechselt werden:
| Dokument | Beantwortet die Frage | Wann es entsteht |
|---|---|---|
| Skript | Was wird gesagt? | zuerst |
| Storyboard | Was wird gezeigt, während es gesagt wird? | nach dem Skript |
| Shotlist und Drehplan | Wie, wann und wo wird jedes Bild aufgenommen? | nach der Storyboard-Freigabe |
Das Skript liefert den Inhalt, das Storyboard die Bilder dazu, und die Shotlist macht daraus einen Arbeitsplan für den Drehtag.
Wofür braucht man ein Storyboard?
Ein Storyboard erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig:
- Es macht Abstimmung möglich. Marketing, Fachabteilung und Geschäftsführung lesen ein Skript unterschiedlich. Ein Bild interpretiert jeder gleich. Missverständnisse fallen damit auf, bevor sie Geld kosten.
- Es ist die Freigabe-Grundlage. Wer das Storyboard abgenommen hat, weiß, was er bekommt. Das schützt beide Seiten vor Überraschungen bei der ersten Rohfassung.
- Es ist der Bauplan für die Produktion. Beim Erklärvideo arbeiten Illustration und Animation direkt nach dem Storyboard. Beim Realdreh entstehen daraus Shotlist und Disposition, ohne die ein Drehtag nicht effizient zu planen ist.
Was gehört in ein Storyboard?
Jedes Feld im Storyboard steht für eine Szene. Zu jeder Szene gehören sechs Angaben:
| Angabe | Was hineingehört | Beispiel |
|---|---|---|
| Bild | Skizze von Bildaufbau und Blickrichtung | Mitarbeiterin an der Maschine, von schräg vorn |
| Einstellung | Wie nah ist die Kamera? | Halbnah |
| Bewegung | Bewegt sich die Kamera? | langsame Fahrt nach rechts |
| Text | Sprechertext oder O-Ton dieser Szene | „Jedes Bauteil wird vor dem Versand geprüft.” |
| Ton und Musik | Geräusche, Musikwechsel, Stille | Maschinengeräusch, Musik leise |
| Dauer | Sekunden, die die Szene im Film hat | 4 Sekunden |
Bei Animationen kommen meist zwei Angaben dazu: Übergänge zwischen den Szenen und Hinweise zur Animation, etwa welches Element wann ins Bild kommt.
Storyboard erstellen in 6 Schritten
1. Kernaussage in einem Satz festlegen
Bevor gezeichnet wird, steht ein Satz auf dem Papier: Was sollen Zuschauer nach dem Video wissen, fühlen oder tun? Diese Kernaussage ist der Prüfstein für jede Szene. Szenen, die nicht darauf einzahlen, fliegen raus, auch wenn sie schön wären.
2. Skript schreiben
Das Storyboard folgt dem Skript, nicht umgekehrt. Schreiben Sie den gesprochenen Text vollständig aus, bei Interviewfilmen die Fragen und die erwarteten Kernaussagen. Lesen Sie den Text laut und stoppen Sie die Zeit. Als Richtwert schafft ein Sprecher rund zwei Wörter pro Sekunde, ein 60-Sekunden-Video verträgt also etwa 120 Wörter. Wie sich Ihr Text im Sprechtempo anfühlt, können Sie mit unserem kostenlosen Teleprompter testen.
3. Das Skript in Szenen gliedern
Teilen Sie den Text in Abschnitte, die jeweils ein Bild brauchen. Ein Gedanke, ein Bild. Wechselt das Thema, der Ort oder die Person, beginnt eine neue Szene.
4. Die Bilder skizzieren
Jetzt wird gezeichnet. Strichmännchen, Kästen und Pfeile genügen völlig. Das Storyboard ist ein Arbeitsdokument, keine Illustration. Achten Sie auf drei Dinge:
- Bildaufbau: Wo steht die Person, wo das Produkt, wohin schaut die Kamera?
- Abwechslung: Wechseln Sie zwischen Totale, Halbnah und Detail. Drei Totalen hintereinander wirken im Schnitt flach.
- Anschlüsse: Schaut eine Person in Szene 3 nach rechts, sollte sie in Szene 4 nicht plötzlich nach links blicken, sonst wirkt der Schnitt holprig.
5. Text, Ton und Dauer zuordnen
Unter jedes Bild kommen Text, Ton und Dauer. Hier zeigt sich, ob der Plan aufgeht: Passt der Sprechertext einer Szene nicht in ihre Dauer, ist die Szene zu voll. Dann wird entweder der Text kürzer oder die Szene geteilt. Addieren Sie am Ende alle Sekunden. Liegt die Summe deutlich über der geplanten Länge, ist jetzt der richtige Moment zum Kürzen.
6. Freigeben lassen
Legen Sie das Storyboard allen vor, die später mitentscheiden. Fehlt ein Entscheider bei der Freigabe, kommt sein Feedback bei der ersten Rohfassung, und dann wird es teuer. Halten Sie Änderungen mit Versionsnummer fest, damit am Ende alle mit demselben Stand arbeiten.
Storyboard für Erklärvideo und Realfilm: Was ist anders?
Das Prinzip ist gleich, die Rolle im Projekt unterscheidet sich:
Beim Erklärvideo ist das Storyboard der verbindliche Bauplan. Illustratoren zeichnen jede Szene danach, Animatoren bewegen genau die Elemente, die im Storyboard stehen. Was dort fehlt, fehlt später im Film. Deshalb ist das Storyboard hier detaillierter, mit Sprechertext, Bild- und Animationsbeschreibung pro Szene. Unser Ablauf dazu steht auf der Seite So arbeiten wir. Welche Stile dabei möglich sind, zeigt der Überblick über Erklärvideo-Stile.
Beim Realdreh ist das Storyboard gröber. Am Set entstehen Bilder, die sich nicht bis ins Detail vorzeichnen lassen: Licht, Gesichtsausdrücke, echte Abläufe in der Produktion. Das Storyboard legt deshalb fest, welche Szenen es braucht und wie sie wirken sollen. Die genaue Umsetzung übernimmt die Shotlist.
Vom Storyboard zum Drehtag: Shotlist und Disposition
Hier liegt der Unterschied zwischen einem Storyboard für die Abstimmung und einem Storyboard, mit dem tatsächlich gedreht wird. Eine professionelle Produktionsfirma leitet aus dem freigegebenen Storyboard zwei Arbeitsunterlagen ab.
Die Shotlist: jede Einstellung einzeln
Die Shotlist zerlegt jede Szene in die einzelnen Einstellungen, die gedreht werden müssen. Aus einer Szene im Storyboard werden oft drei oder vier Shots: eine Totale zur Orientierung, eine Halbnahe, ein Detail von Händen oder Produkt. Pro Shot steht in der Liste:
- Shot-Nummer und zugehörige Szene
- Drehort
- Einstellungsgröße und Kamerabewegung
- Beschreibung des Bildinhalts
- beteiligte Personen
- Requisiten
- Notizen, etwa „Gegenlicht vermeiden” oder „Bildschirm vorher ausschalten”
Der wichtigste Effekt: Gedreht wird nicht in der Reihenfolge des Films, sondern nach Drehort und Licht. Alle Shots in der Produktionshalle kommen in einen Block, alle Shots im Besprechungsraum in den nächsten. Die Shotlist sorgt dafür, dass dabei keine Einstellung vergessen wird. Fehlt am Ende ein Shot, merkt man das sonst erst im Schnitt.
Die Disposition: wer, wann, wo
Die Disposition, kurz Dispo, ist der Ablaufplan des Drehtags. Sie geht an Crew, Protagonisten und Ansprechpartner beim Kunden und enthält:
- Team und Rollen: Produktionsleitung, Aufnahmeleitung, Kamera, Ton, Licht, Maske
- Drehorte mit Adresse und Ansprechpartner vor Ort
- Zeitplan: Ankunft, Aufbau, Drehbeginn, Pausen, Locationwechsel, Drehschluss
- Drehplan pro Zeitfenster: Ort, innen oder außen, Einstellung, Personen, Inhalt
- Hinweise wie Sonnenauf- und -untergang bei Außendrehs, Wetter und Notfallnummern
- bei Interviewfilmen die Fragen und Protagonisten
Die Dispo macht sichtbar, ob der Plan in einen Tag passt. Ein realistischer Drehtag dauert acht bis zehn Stunden inklusive Pausen. Ergibt die Summe aller Zeitfenster mehr, wird gekürzt oder auf zwei Tage verteilt, und zwar am Schreibtisch, nicht am Set.
Wenn Sie mit Personen vor der Kamera drehen, gehört auch die Vorbereitung der Protagonisten zur Planung. Was sie anziehen sollten, steht in unserem Leitfaden Kleidung im Unternehmensvideo.
Die häufigsten Fehler beim Storyboard
- Zu schön gezeichnet. Wer Stunden in Skizzen steckt, verteidigt sie später gegen bessere Ideen. Grob zeichnen, schnell ändern.
- Ohne Dauer geplant. Ohne Sekundenangabe fällt erst im Schnitt auf, dass der Text nicht in den Film passt.
- Zu viele Szenen für die Länge. Jede Szene braucht Zeit, damit Zuschauer sie erfassen. Ein überladenes Storyboard ergibt einen hektischen Film.
- Freigabe ohne alle Entscheider. Das späte Feedback kommt sicher, nur zum ungünstigsten Zeitpunkt.
- Storyboard und Skript laufen auseinander. Wird das Skript geändert, muss das Storyboard nachgezogen werden. Sonst arbeiten Sprecher und Animation mit unterschiedlichen Ständen.
- Keine Shotlist beim Realdreh. Ein Storyboard allein reicht am Set nicht. Ohne Shotlist wird in Filmreihenfolge gedreht, mit unnötigen Umbauten und vergessenen Einstellungen.
Storyboard-Vorlage zum Download
Für Ihre eigene Planung haben wir eine Vorlage erstellt: zwei Seiten mit je sechs Szenenfeldern im Querformat, mit Feldern für Einstellung, Bild, Text, Ton, Bewegung und Dauer. Auf der dritten Seite finden Sie die sechs Schritte aus diesem Artikel als Kurzanleitung.
Storyboard-Vorlage als PDF herunterladen, kostenlos und ohne Anmeldung.
Storyboard selbst erstellen oder von der Agentur?
Für interne Videos, Social-Media-Clips oder eine erste Abstimmung im Team reicht ein selbst erstelltes Storyboard mit der Vorlage oben völlig aus. Sobald ein Video aufwendiger wird, mehrere Drehorte hat oder animiert werden soll, lohnt es sich, das Storyboard in die Hände der Produktion zu geben. Der Grund ist einfach: Wer das Storyboard schreibt, muss wissen, was sich am Set oder in der Animation mit vertretbarem Aufwand umsetzen lässt.
Bei videoboost entsteht das Storyboard deshalb im Team, das den Film später auch produziert. Aus über 6.000 Projekten wissen wir, welche Szene am Drehtag zwanzig Minuten kostet und welche zwei Stunden. Wenn Sie die Grundlagen lieber gemeinsam erarbeiten möchten, ist unser Video-Konzeptions-Workshop der richtige Einstieg. Für ein konkretes Projekt können Sie direkt ein Erstgespräch buchen.
Häufige Fragen zum Storyboard
Was ist ein Storyboard einfach erklärt?
Ein Storyboard ist eine Folge von Skizzen, die zeigt, wie ein Video Szene für Szene aussehen soll. Zu jedem Bild gehören der gesprochene Text, Ton, Kameraeinstellung und Dauer. Es ist der Plan, nach dem gedreht oder animiert wird.
Wie erstelle ich ein Storyboard?
In sechs Schritten: Kernaussage festlegen, Skript schreiben, Skript in Szenen gliedern, Bilder skizzieren, Text, Ton und Dauer zuordnen, Storyboard von allen Entscheidern freigeben lassen. Eine Vorlage hilft, keine Angabe zu vergessen.
Muss man für ein Storyboard zeichnen können?
Nein. Strichmännchen, einfache Formen und Pfeile reichen. Das Storyboard soll Bildaufbau und Ablauf klären, nicht schön aussehen. Bei Erklärvideos übernehmen Illustratoren später die eigentliche Gestaltung.
Was ist der Unterschied zwischen Storyboard und Shotlist?
Das Storyboard zeigt den Film in der Reihenfolge, in der Zuschauer ihn sehen. Die Shotlist zerlegt jede Szene in einzelne Einstellungen und sortiert sie so, wie sie am Drehtag aufgenommen werden, meist nach Drehort und Licht.
Wie viele Bilder braucht ein Storyboard?
Das hängt von der Länge und dem Tempo des Videos ab. Als grobe Orientierung braucht jede Szene mehrere Sekunden, damit Zuschauer sie erfassen. Ein 60-Sekunden-Video hat deshalb meist eine niedrige zweistellige Zahl an Szenen, schnell geschnittene Social-Media-Clips entsprechend mehr.
Gibt es eine kostenlose Storyboard-Vorlage?
Ja, unsere Storyboard-Vorlage als PDF können Sie kostenlos herunterladen und ausdrucken. Sie enthält zwölf Szenenfelder und eine Kurzanleitung.
