Wissen Sie, warum Barack Obama als Präsident fast nur graue oder blaue Anzüge trug? Er wollte Entscheidungen reduzieren. Über Essen und Kleidung wollte er nicht nachdenken müssen, weil er zu viele andere Entscheidungen zu treffen hatte, sagte er 2012 dem Journalisten Michael Lewis für Vanity Fair (Quelle: TIME). Für einen Drehtag gilt dasselbe: Wer die Kleiderfrage vorher klärt, hat vor der Kamera den Kopf frei.
Für ein Unternehmensvideo eignen sich unifarbene Kleidung in mittleren Tönen, matte Stoffe und ein Outfit, das sich klar vom Hintergrund abhebt. Vermeiden sollten Sie feine Streifen und kleine Karos, weil sie im Kamerabild flimmern, reinweiße und tiefschwarze Flächen, weil die Kamera dort Details verliert, sowie raschelnde Stoffe und klimpernden Schmuck, weil das Ansteckmikrofon jedes Geräusch aufnimmt. Welcher Look passt, entscheidet die Rolle der Person im Film: Ein CEO-Statement braucht einen anderen Auftritt als ein Recruiting-Video aus der Produktion.
Styling klingt nach Nebensache. Am Set ist es oft der Punkt, an dem ein Drehtag ins Stocken gerät: Das Hemd flimmert auf dem Monitor, die Bluse raschelt am Mikrofon, die Brille spiegelt das Licht, und die Wechselkleidung liegt zu Hause im Schrank. Jede dieser Kleinigkeiten kostet Zeit, die an einem Drehtag knapp ist. Und manche fällt erst im Schnitt auf, wenn sie sich nicht mehr korrigieren lässt.
Dieser Leitfaden erklärt, worauf es beim Styling für Unternehmensvideos ankommt, warum die Regeln so sind, wie sie sind, und wie Sie das Thema so vorbereiten, dass am Drehtag niemand mehr darüber nachdenken muss. Am Ende finden Sie eine Checkliste und eine Vorlage, die Sie direkt an alle Personen vor der Kamera weiterleiten können.
Welche Kleidung eignet sich für ein Unternehmensvideo?
Ein gutes Outfit für die Kamera erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig:
- Es passt zur Rolle. Die Kleidung sagt etwas über die Person und das Unternehmen, bevor der erste Satz fällt.
- Es funktioniert im Bild. Keine flimmernden Muster, genug Kontrast zum Hintergrund, keine Flächen, auf denen die Kamera Details verliert.
- Es stört den Ton nicht. Kein Rascheln am Ansteckmikrofon, kein Klimpern, kein Knistern.
Als Ausgangsbasis bewährt sich unifarbene Kleidung in mittleren, gedeckten Tönen: Navy, Petrol, Grau, Bordeaux, Salbei, gedecktes Blau. Diese Farben geben der Kamera Zeichnung, wirken auf fast jedem Hauttyp ruhig und heben sich von den meisten Hintergründen ab. Matte Stoffe wie Baumwolle, Wolle oder Jersey sind glänzenden Materialien vorzuziehen.
Wichtiger als jede einzelne Regel ist aber der Test: Das Outfit, das im Spiegel perfekt aussieht, kann im Kamerabild trotzdem nicht funktionieren. Der Spiegel zeigt, wie Sie aussehen. Der Monitor zeigt, wie die Kamera Sie sieht. Das ist nicht dasselbe.
Warum flimmern feine Muster vor der Kamera?
Feine Streifen, kleine Karos, Hahnentritt oder sehr kleinteilige Strukturen erzeugen im Kamerabild oft ein unruhiges Flimmern, fachlich Moiré genannt. Der Grund ist technisch: Der Kamerasensor besteht aus einem festen Raster aus Bildpunkten. Wenn das Muster auf dem Stoff ungefähr so fein ist wie dieses Raster, überlagern sich beide. Es entstehen Wellen und Farbsäume, die es in der Wirklichkeit gar nicht gibt, und die sich bei jeder Bewegung verändern.
Das Tückische daran: Moiré hängt vom Abstand zur Kamera, von der Brennweite und von der Auflösung ab. Ein Hemd kann in der Totalen flimmern und in der Nahaufnahme ruhig sein, oder umgekehrt. Nach dem Dreh lässt sich das Flimmern nur begrenzt und mit viel Aufwand reduzieren. Selbst wenn das Master sauber ist, kann die Kompression auf Plattformen wie LinkedIn oder YouTube das Problem wieder verstärken.
Die einfache Regel lautet: Je ruhiger das Muster, desto ruhiger das Bild.
Gut funktionieren:
- unifarbene Oberteile
- großflächige, ruhige Muster mit deutlichem Abstand zwischen den Elementen
- grobe Strukturen wie Strick oder Cord, solange sie nicht zu fein sind
- klare Formen ohne viele kleine grafische Details
Kritisch sind:
- Nadelstreifen und feine Streifen bei Hemden, Blusen und Anzügen
- kleine Karos und Hahnentritt
- feine Fischgrät- und Pepita-Muster
- Krawatten und Schals mit kleinteiligem Muster, die als kleine Fläche genau im Blickzentrum liegen

Der zuverlässigste Test dauert eine Minute: Die Person stellt sich an die Position, an der gedreht wird, und bewegt sich kurz. Auf dem Kontrollmonitor sieht man sofort, ob das Muster ruhig bleibt. Wer sich nicht sicher ist, bringt ein unifarbenes Ersatzoberteil mit.
Welche Farben funktionieren vor der Kamera und welche nicht?
Es gibt keine Farbe, die grundsätzlich verboten ist. Es gibt aber Farben, die der Kamera das Leben schwer machen.
Reinweiß ist die häufigste Styling-Falle. Eine weiße Fläche ist oft der hellste Punkt im Bild. Die Kamera muss sich entscheiden: Entweder sie belichtet für das Gesicht, dann verliert das weiße Hemd jede Struktur und wirkt wie eine leuchtende Fläche. Oder sie belichtet für das Hemd, dann wird das Gesicht zu dunkel. Fachleute sagen, das Weiß frisst aus. Besser funktionieren gebrochene Weißtöne wie Offwhite, Eierschale oder ein sehr helles Hellblau.
Tiefschwarz ist das Gegenstück. Vor dunklem Hintergrund verliert die Person ihre Kontur, und in schwarzen Stoffen verschwinden Falten, Knöpfe und Schnitt. Ein Anthrazit oder dunkles Navy wirkt genauso seriös, zeigt aber Struktur.
Sehr kräftige, leuchtende Farben wie Neonfarben, reines Rot oder Signalorange können im Bild übersättigt wirken und färben bei Nahaufnahmen auf die Haut ab. Ein kräftiges Rot unter dem Kinn lässt das Gesicht rötlicher erscheinen, als es ist.
Grün ist tabu, sobald vor einem Green Screen gedreht wird. Alles, was grün ist, wird später durch den virtuellen Hintergrund ersetzt. Das gilt auch für grünliche Muster, grüne Details an Schuhen oder eine grüne Uhr. Bei einem Blue Screen gilt dasselbe für Blau.
Dazu kommt der Hauttyp. Farben, die sehr nah am eigenen Hautton liegen, lassen Gesicht und Oberteil ineinander verschwimmen. Sehr blasse Pastelltöne können hellen Hauttypen die Frische nehmen. Im Zweifel hilft auch hier der Blick auf den Monitor.
Wie viel Kontrast braucht das Outfit zum Hintergrund?
Die Person soll sich klar vom Hintergrund abheben. Deshalb gehören Outfit und Drehort zusammen geplant, nicht nacheinander.
| Setting | Mögliche Styling-Falle | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Helle Büro- oder Innenwand | Helles Oberteil verschmilzt mit dem Hintergrund | Mittlere oder dunklere Töne wählen |
| Dunkle Kulisse, Industriehalle, Studio mit schwarzem Molton | Schwarze Kleidung verliert die Kontur | Anthrazit, Navy oder eine Farbe mit Kontrast |
| Sonniger Außenbereich | Reinweiß überstrahlt, kräftige Farben wirken grell | Gebrochene, mittlere Töne, vorab im Kamerabild prüfen |
| Green Screen | Grün verschwindet mit dem Hintergrund | Kein Grün, keine grünlichen Muster, keine spiegelnden Stoffe |
| Produktion, Labor, Baustelle | Schutzkleidung ist vorgeschrieben | Vorgaben des Drehorts gehen vor, Styling darunter planen |
| Firmenfarben im Hintergrund, zum Beispiel Logowand | Outfit in derselben Farbe verschwimmt mit der Wand | Farbe bewusst absetzen |
Ein Sonderfall ist der Hintergrund, der selbst eine Botschaft hat: die Maschine, das Labor, die Logowand. Hier sollte das Outfit den Blick nicht vom Hintergrund wegziehen, aber auch nicht in ihm untergehen. Ein gedeckter, unifarbener Look ist fast immer die sichere Wahl.
Welches Outfit passt zu welcher Rolle im Video?
Kleidung transportiert eine Position. Eine Geschäftsführerin im Hoodie sendet eine andere Botschaft als ein Azubi im Anzug, und beides kann richtig oder falsch sein, je nachdem, was der Film erreichen soll. Deshalb lautet die Frage nicht “Was ist schick?”, sondern “Was passt zur Rolle und zum Ziel des Films?”.
Drei Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Welche Rolle hat die Person im Video: Absender, Expertin, Kollege, Anwender?
- Welche Botschaft soll ihr Auftritt vermitteln: Führung, Kompetenz, Nahbarkeit, Handwerk?
- Passt der Look zum Unternehmen, zur Zielgruppe und zum Drehort?
| Video-Situation | Möglicher Look | Warum |
|---|---|---|
| CEO- oder Vorstandsstatement | Full Business oder gehobenes Business Casual, je nach Unternehmenskultur | Absender einer Unternehmensbotschaft, Glaubwürdigkeit nach innen und außen |
| Experteninterview, Fachvortrag | Business Casual, unifarben | Kompetenz ohne Distanz |
| Recruiting-Video, Employer Branding | Das, was die Person im Arbeitsalltag anhat, eine Stufe gepflegter | Bewerberinnen und Bewerber wollen sehen, wie es wirklich ist |
| Produktion, Werkstatt, Labor | Arbeits- und Schutzkleidung, sauber und vollständig | Echtheit und Arbeitssicherheit, Fehler fallen Fachleuten sofort auf |
| Testimonial-Video mit Kunden | Der eigene Stil der Person, mit Blick auf Muster und Ton | Authentizität ist das Kapital eines Testimonials |
| Social-Media-Clips, Vertical Video | Etwas lockerer, aber mit klarer Farbe im Oberkörper | Im Hochformat füllt der Oberkörper das Bild, die Farbe prägt den Clip |
Einen Punkt unterschätzen viele: Das Video lebt länger als der Trend. Ein Imagefilm läuft oft drei, vier Jahre auf der Website. Sehr modische Teile datieren den Film schneller als ein klassischer, gut sitzender Look. Gut sitzen ist ohnehin wichtiger als teuer: Zu große Sakkos werfen Falten, zu enge Hemden spannen an den Knöpfen, und beides sieht man in der Nahaufnahme sofort.
Mehrere Personen im Bild: Wie stimmt man die Outfits ab?
Sobald zwei oder mehr Personen gemeinsam im Bild stehen, zum Beispiel im Gespräch, im Team-Shot oder in einer Szene am Arbeitsplatz, reicht es nicht, wenn jedes Outfit für sich funktioniert. Das Bild muss als Ganzes ruhig wirken.
Bewährt haben sich drei Regeln:
- Eine gemeinsame Farbfamilie festlegen, zum Beispiel gedeckte Blau-, Grau- und Erdtöne. Die Personen sollen nicht uniformiert aussehen, aber auch nicht wie zufällig zusammengewürfelt.
- Keine zwei starken Muster nebeneinander. Wenn eine Person ein gemustertes Oberteil hat, bleiben die anderen unifarben.
- Nicht alle in Schwarz oder alle in Weiß. Das wirkt im Bild wie ein Block und nimmt den Gesichtern die Aufmerksamkeit.
Wenn Mitarbeitende mit Firmenkleidung auftreten, etwa Poloshirts mit Logo, sollte das bewusst entschieden werden: Es stärkt die Marke, kann aber auch nach Werbeprospekt aussehen. Für Recruiting-Videos ist es oft glaubwürdiger, wenn nur die Kleidung zu sehen ist, die im Alltag tatsächlich getragen wird.
Logos, Aufdrucke und Marken auf der Kleidung
Große Logos, Sprüche und Markennamen auf der Kleidung lenken ab und können rechtlich unangenehm werden. Ein deutlich sichtbares Fremdlogo auf dem Pullover wirkt im Unternehmensfilm wie Schleichwerbung, und in Anzeigen kann es zu Problemen mit den Markenrechten Dritter führen. Die einfache Regel: Keine gut lesbaren Fremdlogos, keine Aufdrucke mit Botschaft. Das eigene Firmenlogo ist in Ordnung, wenn es bewusst eingesetzt wird.
Dasselbe gilt für Details, die man leicht übersieht: Namensschilder und Lanyards von Veranstaltungen, Kugelschreiber in der Brusttasche, Firmenausweise am Gürtel. Sie gehören vor dem Dreh abgelegt, es sei denn, sie sind Teil der Geschichte.
Welche Kleidung und Accessoires stören den Ton?
Für die meisten Interviews und Statements wird ein Ansteckmikrofon verwendet, ein sogenanntes Lavalier. Es sitzt wenige Zentimeter unter dem Kinn am Oberteil und nimmt alles auf, was dort passiert: die Stimme, aber auch jedes Rascheln, Reiben und Klimpern.
Raschelnde Stoffe: Synthetische Stoffe, Seide, Taft, steife Funktionsjacken und manche Blusen erzeugen bei jeder Bewegung ein Geräusch, das auf der Tonspur deutlich hörbar ist. Baumwolle, Wolle und Jersey sind deutlich ruhiger.
Schmuck: Lange Ketten schlagen gegen das Mikrofon, große Ohrringe klimpern bei Kopfbewegungen, Armbänder klappern auf dem Tisch. Dezenter Schmuck ist kein Problem. Alles, was sich bewegt und Geräusche macht, sollte vor dem Dreh geprüft werden.
Uhren: Beim Sitzen am Tisch stößt eine Uhr beim Gestikulieren schnell gegen die Tischplatte. Das Geräusch ist im Moment kaum wahrnehmbar und in der Aufnahme sehr deutlich.
Haare und Schals: Lange Haare oder ein Schal, die über das Ansteckmikrofon streichen, erzeugen ein Reiben, das sich im Schnitt kaum entfernen lässt.
Das Handy in der Tasche: Es drückt sich im Bild durch, vibriert bei Nachrichten und kann Funkstrecken stören. Am besten gar nicht am Körper tragen oder auf Flugmodus stellen.
Wo sitzt das Mikrofon, und was braucht es dafür?
Das Ansteckmikrofon braucht einen Platz am Oberteil, idealerweise an einer Knopfleiste, einem Revers oder einem Ausschnitt. Der Sender, ein kleines Kästchen, wird meist hinten am Hosenbund oder Gürtel befestigt, das Kabel verläuft unter dem Oberteil. Daraus ergeben sich drei praktische Hinweise, an die kaum jemand denkt:
- Ein Kleid ohne Taille oder Gürtel macht es schwer, den Sender zu befestigen. Das ist lösbar, sollte aber vorher bekannt sein.
- Ein eng anliegendes, dünnes Oberteil zeigt das Kabel darunter. Ein zweiter Stoff darüber, etwa ein Sakko oder eine Strickjacke, hilft.
- Ein Rollkragen oder ein hochgeschlossenes Kleid ohne Kante bietet keinen Befestigungspunkt nah am Mund.
Die praktische Reihenfolge am Set ist einfach: Mikrofon anlegen, die Person sprechen und sich bewegen lassen wie im späteren Video, über Kopfhörer mithören, bei Bedarf Schmuck ablegen oder das Mikrofon umsetzen. Das dauert zwei Minuten und erspart Tonprobleme, die im Schnitt nicht mehr zu retten sind.
Wie vermeiden Sie Reflexionen auf Brille, Stoff und Haut?
Filmlicht ist heller und gerichteter als Bürolicht. Alles, was glänzt, fällt dadurch stärker auf.
Brillen: Brillengläser spiegeln Lichtquellen, Fenster und manchmal auch den Teleprompter. Entspiegelte Gläser helfen deutlich. Den Rest löst das Team am Set, indem es das Licht etwas höher oder seitlicher setzt oder den Bügel minimal anhebt, sodass sich der Winkel des Glases ändert. Selbsttönende Gläser, die sich im hellen Licht abdunkeln, sind ungünstig, weil die Augen dahinter verschwinden. Wer Kontaktlinsen trägt und sich damit wohlfühlt, kann auf sie ausweichen. Wer die Brille aber im Alltag immer trägt, sollte sie auch im Video tragen, sonst wirkt das Gesicht fremd.
Glänzende Stoffe und Schmuck: Satin, Lackleder, Pailletten und großflächiger, polierter Schmuck werfen Lichtreflexe, die im Bild blitzen und vom Gesicht ablenken.
Glänzende Haut: Unter Scheinwerfern glänzen Stirn, Nase und Glatze schnell. Das ist keine Frage der Eitelkeit, sondern der Bildqualität. Ein transparenter, matter Puder löst das in Sekunden, bei Frauen wie bei Männern.
Haare, Rasur und Make-up: Was ist vor der Kamera anders?
Die Kamera zeigt in hoher Auflösung mehr, als man erwartet. Dafür braucht es kein aufwendiges Styling, aber ein paar gezielte Handgriffe.
Make-up darf etwas deutlicher ausfallen als im Alltag, weil Licht Konturen glättet und Farbe aus dem Gesicht nimmt. Wichtiger als Farbe ist ein matter Teint. Für Männer reicht in den meisten Fällen Puder gegen Glanz.
Haare sollten so sitzen, wie die Person sich wohlfühlt, mit einem Blick auf abstehende Strähnen. Gegenlicht, das bei Interviews oft von hinten gesetzt wird, macht jedes einzelne Haar sichtbar.
Rasur: Wer glatt rasiert erscheinen will, rasiert sich am Drehtag selbst, nicht am Abend davor. Wer einen Bart trägt, sollte ihn einige Tage vorher trimmen, nicht am Morgen, damit keine gereizte Haut im Bild ist.
Hände: Bei Produktvideos, Demonstrationen oder Schulungsvideos sind Hände oft groß im Bild. Gepflegte Nägel und keine auffälligen Ringe machen hier einen sichtbaren Unterschied.
Was ist bei Green Screen, Außendreh und Produktion zu beachten?
Bestimmte Drehorte verändern die Regeln.
Green Screen
Kein Grün, keine grünlichen Muster, keine spiegelnden oder transparenten Stoffe und möglichst keine sehr feinen, abstehenden Haare, weil die Freistellung an solchen Kanten schwierig wird. Auch sehr dünne Stoffe, durch die Licht fällt, machen Probleme. Ein klarer, unifarbener Look in einer Farbe mit deutlichem Abstand zum Grün ist ideal.
Außendreh
Sonnenlicht ist hart und wechselhaft. Reinweiß überstrahlt, sehr dunkle Kleidung wird in der Sonne warm, und bei Wind bewegen sich Schals, Haare und weite Kleidung. Eine Jacke oder ein Sakko sollte auch dann dabei sein, wenn es warm ist, weil das Wetter zwischen erster und letzter Einstellung wechseln kann und die Kleidung über den ganzen Dreh gleich bleiben muss.
Produktion, Labor, Baustelle
Arbeitsschutz geht vor Bildwirkung. Helm, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe, Kittel und Haarnetz müssen im Bild genau so getragen werden, wie es die Vorschrift verlangt. Fachleute in der Zielgruppe sehen sofort, wenn im Film die Schutzbrille fehlt, und das beschädigt die Glaubwürdigkeit mehr als jedes unpassende Hemd. Klären Sie vorab mit dem Drehort, welche Vorgaben gelten und ob auch das Filmteam Schutzausrüstung braucht.
Sitzend am Tisch
Beim Sitzen verändert sich das Outfit: Sakkos werfen am Hals Falten, Hemden spannen am Bauch, Röcke rutschen. Testen Sie die Sitzposition vorab, und legen Sie Uhr und Armbänder ab, wenn viel gestikuliert wird. Ein bewährter Trick bei Sakkos: Setzen Sie sich auf den hinteren Saum, dann bleibt die Schulterlinie glatt.
Warum sollte das Outfit über den ganzen Dreh gleich bleiben?
Ein Punkt, den viele erst im Schnitt bemerken: Wenn eine Person in mehreren Einstellungen oder an mehreren Tagen gefilmt wird und die Szenen im fertigen Film zusammengehören, muss sie überall gleich aussehen. Fachleute sprechen von Anschlüssen. Ein offener Knopf in der einen Einstellung und ein geschlossener in der nächsten, die Brille mal auf und mal ab, das Sakko an und dann plötzlich aus: Das fällt im Film sofort auf und lässt sich nicht mehr korrigieren.
Deshalb gilt bei mehrtägigen Drehs oder bei Nachdrehen: Das Outfit wird fotografiert und genau so wieder angezogen. Wer sich für einen Drehtag umzieht, bringt die Kleidung für den Nachdreh wieder mit.
Was sollte man zum Drehtag mitbringen?
Eine kleine Tasche erspart am Set viel Improvisation:
- ein Wechseloberteil in einer anderen, unifarbenen Farbe, falls das Muster flimmert oder die Farbe mit dem Hintergrund verschwimmt
- das Sakko oder die Strickjacke, auch wenn es warm ist
- matten, transparenten Puder und ein Taschentuch
- eine Fusselrolle, weil dunkle Stoffe in der Nahaufnahme jeden Fussel zeigen
- bequeme Schuhe für den Weg und die Drehschuhe getrennt, wenn im Stehen gedreht wird
- Wasser, weil Scheinwerfer warm werden und Sprechen durstig macht
- die Brille und bei Bedarf die Kontaktlinsen
Und ganz praktisch: Kleidung vorher bügeln oder dämpfen. Knitterfalten sieht man im hochauflösenden Bild deutlicher als im Spiegel.

Warum gehört Styling in die Vorbereitung und nicht an den Drehtag?
Am Drehtag ist jede Minute verplant. Wenn dort Styling-Fragen auftauchen, fehlt die Zeit für die Einstellungen, auf die es ankommt. Außerdem geraten die Personen vor der Kamera unter Druck, wenn sie kurz vor dem ersten Satz hören, dass ihr Hemd nicht funktioniert. Das sieht man dann im Film.
Deshalb gehört Styling in die Vorbereitung, genau wie Drehorte, Zeitplan und Interviewfragen. Sobald feststeht, wer vor der Kamera steht, welche Rolle diese Person hat, wo gedreht wird und wie der Hintergrund aussieht, lassen sich Outfit und Accessoires gezielt festlegen. Bei einem Realdreh mit mehreren Personen und Drehorten ist das besonders wichtig, weil sich Fehler über viele Einstellungen hinweg wiederholen.
Für Sie als Ansprechpartner im Unternehmen heißt das: Geben Sie die Styling-Hinweise mindestens eine Woche vor dem Dreh an alle Beteiligten weiter. Viele wollen sich noch etwas Passendes besorgen oder reinigen lassen. Am Vorabend ist es dafür zu spät.
Beim video(boost) experience day haben Teilnehmende aus Marketing und Kommunikation genau das geübt: vor Kamera und Smartphone-Rig sprechen, das eigene Bild auf dem Monitor prüfen und merken, wie anders man vor der Kamera wirkt als im Spiegel. Die wichtigste Erkenntnis war fast immer dieselbe: Wer vorher weiß, worauf es ankommt, kann sich am Drehtag auf das konzentrieren, was er sagen will.
Vorlage: Styling-Hinweise zum Weiterleiten
Diese Vorlage können Sie kopieren, anpassen und an alle Personen schicken, die im Video zu sehen sind.
Betreff: Hinweise für unseren Videodreh am [Datum]
Hallo zusammen,
am [Datum] drehen wir unser Video in [Ort]. Damit am Drehtag alles reibungslos läuft, hier ein paar Hinweise zur Kleidung:
- Bitte unifarbene Kleidung in mittleren, gedeckten Farben, zum Beispiel Blau, Grau, Petrol oder Bordeaux.
- Bitte keine feinen Streifen, kleinen Karos oder kleinteiligen Muster. Sie flimmern im Kamerabild.
- Bitte kein reines Weiß und kein Tiefschwarz. Gebrochenes Weiß und dunkles Grau funktionieren besser.
- [Nur bei Green Screen: Bitte nichts Grünes, auch keine grünen Details.]
- Das Mikrofon wird am Oberteil befestigt, der Sender am Hosenbund oder Gürtel. Bitte ein Oberteil mit Knopfleiste, Kragen oder Ausschnitt wählen.
- Bitte keine langen Ketten, klimpernden Ohrringe oder raschelnden Stoffe.
- Bitte keine gut sichtbaren Logos oder Aufdrucke anderer Marken.
- Bitte ein Wechseloberteil in einer anderen Farbe mitbringen.
- [Nur bei Dreh in der Produktion: Schutzkleidung nach Vorschrift, Details folgen.]
Kleidung bitte so wählen, dass Sie sich darin wohlfühlen. Das sieht man im Film mehr als alles andere.
Vielen Dank und bis zum Drehtag!
Checkliste: Styling für Unternehmensvideos
Eine Woche vorher
- Rolle, Botschaft und Drehort jeder Person geklärt
- Hintergrundfarben am Drehort bekannt
- Styling-Hinweise an alle Beteiligten verschickt
- Vorgaben zu Schutzkleidung mit dem Drehort geklärt
- Bei mehreren Personen im Bild: Farbfamilie abgestimmt
- Bei vorbereitetem Text: Skript einmal laut geprobt, zum Beispiel mit unserem kostenlosen Teleprompter im Browser
Outfit
- Unifarben oder großflächiges, ruhiges Muster
- Keine feinen Streifen, kleinen Karos, Hahnentritt
- Kein Reinweiß, kein Tiefschwarz, kein Neon
- Klarer Kontrast zum Hintergrund
- Kein Grün vor dem Green Screen
- Keine gut sichtbaren Fremdlogos oder Aufdrucke
- Sitzt gut, auch im Sitzen
- Gebügelt, ohne Fusseln
Ton
- Befestigungspunkt für das Ansteckmikrofon vorhanden
- Hosenbund oder Gürtel für den Sender vorhanden
- Keine raschelnden Stoffe
- Ketten, Ohrringe, Armbänder, Uhr geprüft
- Haare und Schal berühren das Mikrofon nicht
- Handy abgelegt oder im Flugmodus
Bild
- Brille auf Reflexionen geprüft
- Keine glänzenden Stoffe oder großflächigen Schmuckstücke
- Puder gegen Glanz aufgetragen
- Namensschilder, Lanyards, Stifte abgelegt
Am Set
- Outfit auf dem Kontrollmonitor geprüft
- Bewegung und Sitzposition getestet
- Ton mit Bewegung gegengehört
- Outfit fotografiert, falls es Nachdrehs oder mehrere Drehtage gibt
Die häufigsten Styling-Fehler bei Unternehmensvideos
- Das feine Nadelstreifenhemd, weil es im Büro seriös wirkt. Im Bild flimmert es.
- Das strahlend weiße Hemd vor der weißen Wand. Die Person verschwimmt mit dem Hintergrund, das Gesicht wirkt dunkler.
- Die Seidenbluse am Ansteckmikrofon. Jede Bewegung ist auf der Tonspur zu hören.
- Kein Wechseloutfit dabei. Wenn das erste Outfit nicht funktioniert, gibt es keinen Plan B.
- Styling-Hinweise erst am Vorabend verschickt. Niemand hat mehr Zeit, sich darauf einzustellen.
- Das Namensschild vom Vormittag. Es fällt erst im Schnitt auf.
- Der Nachdreh im anderen Pullover. Die Szenen passen nicht mehr zusammen.
Fazit: Styling ist Teil der Produktion, nicht der Garderobe
Gutes Styling für ein Unternehmensvideo heißt nicht, dass alle gleich aussehen oder sich verkleiden müssen. Es heißt, dass Kleidung, Rolle, Drehort, Licht und Ton zusammenpassen. Die meisten Probleme lassen sich mit wenigen Regeln vermeiden: ruhige Muster, mittlere Farben, matte Stoffe, Kontrast zum Hintergrund, kein Klimpern am Mikrofon, ein Wechseloutfit in der Tasche.
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Wer die Styling-Hinweise eine Woche vor dem Dreh verschickt und das Outfit am Set einmal auf dem Monitor prüft, hat das Thema erledigt, bevor es zum Problem wird. Und die Menschen vor der Kamera können sich auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: das, was sie zu sagen haben.
Bei unseren Produktionen gehört die Vorbereitung der Personen vor der Kamera zum Ablauf, zusammen mit Konzept, Drehplanung und Postproduktion. Wenn Sie ein Imagefilm-, Recruiting- oder Schulungsvideo planen, sprechen wir gerne mit Ihnen darüber, wie Sie Ihr Team am besten auf den Drehtag vorbereiten.
Häufige Fragen zu Kleidung und Styling im Unternehmensvideo
Was sollte man bei einem Videodreh anziehen?
Unifarbene Kleidung in mittleren, gedeckten Tönen wie Navy, Grau, Petrol oder Bordeaux, aus matten Stoffen wie Baumwolle oder Wolle. Das Outfit sollte zur Rolle im Video passen, sich klar vom Hintergrund abheben und einen Befestigungspunkt für das Ansteckmikrofon bieten.
Welche Farben sollte man vor der Kamera vermeiden?
Reinweiß, weil es im Bild ausfrisst, Tiefschwarz, weil die Kontur verloren geht, und Neonfarben, weil sie übersättigt wirken und auf die Haut abfärben. Vor einem Green Screen ist Grün tabu. Grundsätzlich verbotene Farben gibt es nicht, entscheidend ist der Kontrast zum Hintergrund.
Warum darf man keine gestreiften Hemden tragen?
Feine Streifen, kleine Karos und Hahnentritt erzeugen im Kamerabild ein Flimmern, das sogenannte Moiré. Es entsteht, wenn das Muster auf dem Stoff ähnlich fein ist wie das Raster des Kamerasensors. Breite Streifen mit deutlichem Abstand sind meist unproblematisch, feine Nadelstreifen fast nie.
Kann man mit Brille gefilmt werden?
Ja. Wer die Brille im Alltag trägt, sollte sie auch im Video tragen. Entspiegelte Gläser helfen gegen Reflexionen, den Rest löst das Team mit der Position des Lichts. Ungünstig sind selbsttönende Gläser, weil sie sich unter hellem Licht abdunkeln.
Welche Accessoires stören bei einem Videodreh?
Lange Ketten, klimpernde Ohrringe, Armbänder, Uhren beim Sitzen am Tisch und Schals, die am Mikrofon reiben. Dazu kommen Namensschilder, Lanyards, Stifte in der Brusttasche und das Handy in der Hosentasche. Dezenter Schmuck ist kein Problem, wenn er geprüft ist.
Braucht man für ein Unternehmensvideo Make-up?
Meistens reicht ein matter, transparenter Puder gegen glänzende Haut, bei Frauen wie bei Männern. Wer Make-up trägt, darf es etwas deutlicher auftragen als im Alltag, weil Filmlicht Farbe aus dem Gesicht nimmt. Ein professionelles Make-up lohnt sich vor allem bei Vorstandsstatements und aufwendigen Imagefilmen.
Was zieht man bei einem Dreh vor dem Green Screen an?
Nichts Grünes, auch keine grünlichen Muster oder Details. Dazu keine spiegelnden, glänzenden oder durchscheinenden Stoffe. Ein klarer, unifarbener Look in einer Farbe mit deutlichem Abstand zum Grün, zum Beispiel Blau, Grau oder Bordeaux, ist ideal.
Soll man im Unternehmensvideo Firmenkleidung tragen?
Das hängt vom Ziel ab. Firmenkleidung mit Logo stärkt die Marke und passt zu Produktion, Service und Außendienst. In Recruiting-Videos wirkt sie schnell inszeniert, wenn sie im Alltag gar nicht getragen wird. Die Faustregel: im Video das zeigen, was im Arbeitsalltag wirklich getragen wird, eine Stufe gepflegter.
Wann sollte man die Styling-Hinweise verschicken?
Mindestens eine Woche vor dem Dreh. So bleibt Zeit, Passendes zu besorgen, reinigen zu lassen oder mit dem Team abzustimmen. Am Drehtag selbst wird das Outfit dann nur noch auf dem Monitor geprüft.
Was passiert, wenn das Outfit am Drehtag nicht funktioniert?
Deshalb gehört ein Wechseloberteil in einer anderen Farbe in jede Tasche. Flimmert das Muster oder verschwimmt die Farbe mit dem Hintergrund, wird gewechselt, bevor die erste Einstellung gedreht ist. Nach dem Dreh lassen sich solche Probleme kaum noch beheben.
