Wie lange darf ein Vortrag auf einer TED-Konferenz dauern, wenn ein prominenter Name auf der Bühne steht? Genauso lange wie bei allen anderen: höchstens 18 Minuten. TED-Kurator Chris Anderson begründet die Grenze damit, dass 18 Minuten lang genug sind, um ernst genommen zu werden, und kurz genug, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Wer sonst 45 Minuten spricht, muss sich entscheiden, was zählt (Quelle: Carmine Gallo, Talk Like TED).
Ein Erklärvideo hat diese 18 Minuten nicht. Es läuft auf einer Produktseite, in einem Mailing oder im LinkedIn-Feed, und der Zuschauer hat nicht für einen Vortrag Platz genommen. Ein Erklärvideo sollte deshalb in der Regel 60 bis 120 Sekunden lang sein. Das entspricht bei ruhigem Sprechtempo etwa 120 bis 240 Wörtern Sprechertext. Kürzer geht für Anzeigen und Social Media, länger lohnt sich nur, wenn Ihr Publikum etwas lernen will, etwa bei erklärungsbedürftiger Software oder in der Schulung.
Dieser Artikel zeigt, was aktuelle Zuschauerdaten über die Länge sagen, welche Länge zu welchem Einsatz passt und woran Sie merken, dass Ihr Skript zu lang wird.
Was sagen aktuelle Daten zur Länge von Videos?
Eine große, jährlich erscheinende Auswertung zum Zuschauerverhalten bei Unternehmensvideos kommt von der Video-Plattform Wistia. Für den State of Video Report 2026 wurden mehr als 13 Millionen Videos ausgewertet (Quelle: Wistia, State of Video Report 2026). Drei Ergebnisse sind für Erklärvideos relevant:
- Kürzere Videos werden zu einem größeren Anteil angesehen. Videos unter einer Minute erreichen im Schnitt eine Engagement-Rate von 52 Prozent. Die Engagement-Rate gibt an, welchen Anteil eines Videos Zuschauer im Durchschnitt ansehen. Selbst bei Videos unter einer Minute sieht also ein typischer Zuschauer nur gut die Hälfte.
- Viele Zuschauer steigen um die Mitte des Videos aus. Wistia empfiehlt deshalb, die wichtigste Information in die erste Hälfte zu legen.
- Lern- und Erklärinhalte halten am besten. Bildungs- und Tutorial-Videos erreichen die höchsten Werte, weil das Publikum gezielt etwas verstehen will. Erklärvideos, Produktüberblicke und kurze Funktions-Rundgänge ordnet Wistia dem Bereich von einer bis fünf Minuten zu.
Für die Praxis heißt das: Kürze hilft, aber sie allein entscheidet nicht. Ein 90-Sekunden-Video, das in den ersten 20 Sekunden das Problem und den Nutzen klärt, leistet mehr als ein 60-Sekunden-Video, das mit einer Firmenvorstellung beginnt.
Welche Länge passt zu welchem Einsatz?
Die richtige Länge hängt davon ab, wo das Video läuft und wie viel Ihr Publikum schon weiß. Diese Werte sind ein guter Ausgangspunkt für die Skriptplanung:
| Einsatz | Empfohlene Länge | Sprechertext bei 120 Wörtern pro Minute |
|---|---|---|
| Social-Media-Anzeige, Teaser | 15 bis 30 Sekunden | 30 bis 60 Wörter |
| Startseite, Produktseite, Mailing | 60 bis 90 Sekunden | 120 bis 180 Wörter |
| Erklärungsbedürftiges B2B-Produkt, Software | 90 Sekunden bis 3 Minuten, mit klarer Kapitelstruktur | 180 bis 360 Wörter |
| Schulung, Onboarding, Tutorial | 3 bis 5 Minuten je Modul | 360 bis 600 Wörter |
Bei Social-Media-Clips sprechen Sprecherinnen und Sprecher meist zügiger, mit etwa 150 Wörtern pro Minute. Für Schulungsinhalte gilt: Lieber mehrere kurze Module als ein langes Video. Ein Modul pro Frage lässt sich gezielt wiederfinden und später einzeln aktualisieren.
Wie viele Wörter passen in eine Minute Erklärvideo?
Für ein animiertes Erklärvideo planen Sie mit etwa 120 Wörtern pro Minute. Das ist langsamer als ein Werbespot, weil zwischen den Sätzen Zeit bleiben muss, damit Bild und Animation wirken können. Ein 90-Sekunden-Video hat also rund 180 Wörter Sprechertext.
Liegt Ihr Skript deutlich darüber, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der Film wird länger, oder der Sprecher muss hetzen. Das hört man spätestens nach dem zweiten Satz, und die Animation wirkt dann wie ein Daumenkino im Schnellvorlauf. Kürzen ist fast immer die bessere Wahl. Mit unserem Redezeit-Rechner sehen Sie in Sekunden, wie lang Ihr Text gesprochen dauert.
Woran merken Sie, dass Ihr Video zu lang wird?
Ein zu langes Erklärvideo hat selten ein Längenproblem, sondern fast immer ein Konzeptproblem. Auf diese fünf Anzeichen sollten Sie achten:
- Das Video beginnt mit dem Unternehmen statt mit dem Problem. Gründungsjahr und Standorte interessieren erst, wenn der Zuschauer verstanden hat, warum ihn das Thema betrifft.
- Jede Funktion bekommt ihren Satz. Ein Erklärvideo zeigt die zwei oder drei Funktionen, die den Unterschied machen. Der Rest gehört auf die Produktseite oder in eigene kurze Clips.
- Ein Film soll mehrere Zielgruppen ansprechen. Einkauf, Technik und Geschäftsführung stellen unterschiedliche Fragen. Ein Video pro Zielgruppe ist meist kürzer und überzeugender.
- Die Kernaussage passt nicht in einen Satz. Wenn Sie den Nutzen Ihres Produkts nicht in einem Satz sagen können, wird auch das Video ihn nicht in 90 Sekunden klären.
- Alle Abteilungen haben noch einen Absatz ergänzt. Jede Freigaberunde verlängert das Skript. Legen Sie die Länge deshalb vor der ersten Fassung fest und kürzen Sie bei jeder Ergänzung an anderer Stelle.
Wie Sie ein Skript von Anfang an auf die richtige Länge schreiben, zeigt unser Beitrag zur Skripterstellung für Erklärvideos.
Warum gehört die Handlungsaufforderung nicht nur ans Ende?
Die meisten Erklärvideos enden mit einer Aufforderung: Termin buchen, Demo anfragen, Produkt testen. Wenn aber ein großer Teil der Zuschauer um die Mitte des Videos aussteigt, erreicht dieser Schluss nur einen Teil Ihres Publikums.
Drei Dinge helfen. Erstens: Nennen Sie den Nutzen in den ersten Sekunden, damit auch Zuschauer, die früher aussteigen, die Kernaussage mitnehmen. Zweitens: Setzen Sie die Handlungsaufforderung ans Ende, aber wiederholen Sie sie neben oder unter dem Video auf der Seite. Drittens: Halten Sie das Video so kurz, dass der Schluss für möglichst viele Zuschauer erreichbar bleibt.
Häufige Fragen zur Länge von Erklärvideos
Wie lang sollte ein Erklärvideo sein?
In der Regel 60 bis 120 Sekunden. Für Social-Media-Anzeigen reichen 15 bis 30 Sekunden, für erklärungsbedürftige Software oder Schulungen sind 2 bis 5 Minuten sinnvoll, dann mit klarer Kapitelstruktur.
Ist ein Erklärvideo mit 3 Minuten zu lang?
Nicht automatisch. Wenn Ihr Publikum etwas lernen will, etwa die Bedienung einer Software, halten Erklär- und Lernvideos die Aufmerksamkeit auch über mehrere Minuten. Für eine Startseite oder ein Mailing sind 3 Minuten dagegen meist zu lang.
Wie viele Wörter hat ein 90-Sekunden-Erklärvideo?
Etwa 180 Wörter, wenn Sie mit 120 Wörtern pro Minute rechnen. Das ist das übliche Tempo für animierte Erklärvideos mit Pausen für die Bildwirkung.
Wie kürze ich ein zu langes Skript?
Streichen Sie zuerst die Firmenvorstellung am Anfang und alle Funktionen, die nicht zur Kernaussage gehören. Prüfen Sie danach jeden Satz mit der Frage, ob der Zuschauer ihn vermissen würde.
Ihr Skript ist zu lang?
Wir kürzen es mit Ihnen auf die Länge, die zu Ihrem Einsatz passt, und setzen das Video um, von der Skriptberatung bis zur fertigen Animation. Seit 2015 haben wir mehr als 6.000 Projekte umgesetzt, darunter viele Erklärvideos für erklärungsbedürftige B2B-Produkte.
