Werbefilme sind fest in unserem Alltag verankert und kaum als Verkaufsstrategie wegzudenken. Dennoch scheint den wenigsten Nutzern der Wandel bewusst zu sein, in dem sich die Medien und damit auch das Werbevideo derzeit erneut befinden. Das Video zieht um; eine neue Art des Werbespots entsteht: Das Erklärvideo!

Mit dieser neuen Entwicklung lohnt sich ein Blick auf die vergangenen 64 Jahre, auf unzählige verschiedene Stile und Missglücke, seitdem der erste Spot Einzug in das deutsche TV gefunden hat.

Die 50er Jahre – Schürzen, Waschmittel und Frauengold

Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 50er Jahren boomte die Werbebranche und fand 1956 ihren Weg vom Kino in die Wohnzimmer. In einer speziell dafür ins Leben gerufenen Sendung mit dem Namen „Zwischen halb und acht“, liefen von Montag bis Samstag eine halbe Stunde am Tag einige Werbefilme. Die Kosten einer Werbeminute beliefen sich derzeit auf 3.000 DM pro 1.000 Zuschauer. Erst ein Jahr später wurden einzelne Werbevideos zwischen dem normalen Programm gesendet.

Neben typischen Rollenklischees in den TV-Spots wurde auch der Trickfilm zu einer willkommenen Abwechslung. Dabei lag der Fokus in der Nachkriegszeit nicht wie zu erwarten auf der Verkaufsförderung, da die Nachfrage ohnehin größer war als das Angebot. Während im Westen die sich erholende Wirtschaftslage dokumentiert werden sollte, galten Werbespots in der DDR der reinen Präsentation des konkurrenzlosen Angebotes.

Noch erinnerten die Videos eher an Kurzfilme, da Werbeclips nicht als eigener Sektor ernst genommen wurden und es bis dahin keine Forschungen zu Spannungsbögen und Aufmerksamkeitserregung gab. Oft schien die Werbung nicht nur dem angebotenen Produkt zu gelten, sondern propagierte gleichzeitig auf biedere Weise ein Heimatgefühl und angestrebte Werte innerhalb der Familie.

Die allgemeine Stimmung spiegelt der Werbespot für „Frauengold“ ideal wieder und zeigt einen amüsanten Einblick in die 50er Jahre- Gesellschaft:
 

 

Die 60er Jahre – „Bist Du bereit für den Astro-Look?“

Als der Konkurrenzkampf immer größer wurde und Ende der 50er Jahre die größte Nachfragewelle verebbt war, wandelte sich der Charakter und Zweck der Werbung. Werbevideos wurden zu dem effektiven Verkaufsmedium, welches sie heute sind. Hinzu kam eine Verbesserung der Übertragungstechnik, welche zu einer besseren Verbreitung und Qualität der Spots führte.

Mit dem Bau der Mauer wurden im Westen die Hauptrollen der Werbefilme zunehmend durch junge Menschen besetzt, die in keiner Verbindung zur Vergangenheit gesehen wurden. Emanzipation und sexuelle Befreiung ließen die Werbung wieder einmal zum Schauplatz eines sozialen Wandels werden. Die Kleidung wurde unkonventioneller, die Zielgruppe jünger. Marken zusehends zum Ausdruck des Wohlstands und der Persönlichkeit des Käufers:

 

Die 80er Jahre – „Das ist meine Haut und das ist die Melitta Filtertüte“

War der Sektor der Werbefilme in den Jahren schon stark gewachsen, schoss die Quantität der gezeigten Spots 1981 mit der Zulassung von privaten Fernsehsendern drastisch in die Höhe. Früher Höhepunkt der Unterhaltung und von den Menschen als glaubhaft eingestuft, führte die Masse der Ausstrahlungen zu einer deutlichen Abnahme der Beliebtheit der Fernsehwerbung. Auch für die Videos selbst hatte das Überangebot an Werbung negative Auswirkungen; sie mussten immer auffälliger werden und kreative Leitsätze beinhalten, um nicht in der Flut der Angebote unterzugehen.

In der Folgezeit forschte man erstmals über den Zuschauer und dessen Aufmerksamkeitsspanne. Mit tiefgründigen Werbefilmen sollte der Zuschauer zum Nachdenken angeregt und die Marke so in seinem Gedächtnis verankert werden. Dies veranschaulicht der Mellita-Mann, der die Zuschauer direkt ansprach:

 
Die Kosten für einen Werbespot schwanken noch heute entsprechend der Zuschauer der werberelevanten Zielgruppe. Je nach Relevanz betragen die Gebühren pro Minute zwischen 7000€, zum Beispiel am Nachmittag und 300.000€ während beliebten Sendezeiten.

Die 90er Jahre bis heute – Erklärvideos als Brücke zum Kunden

1993 dann ein weiterer Durchbruch: Die erste Werbeanzeige zum Anklicken und kurz darauf der erste Banner wurden im Internet veröffentlicht. Werbung fand ihren Weg in die neuen Medien! Zu Beginn noch außergewöhnlich, diente Online-Werbung als Erfolgsdemonstration für Unternehmen.

Von 2000 bis 2007, wuchs der neue Marketingbereich rasant. Google sprang mit „Google Adwords“ auf den Zug auf, 2006 und 2007 schalteten die damals jungen Netzwerke Facebook und Youtube erstmals Werbung für ihre Zielgruppen. Im Jahr 2013 betrugen die Ausgaben für Online-Werbung über 7 Milliarden Euro. Fernsehwerbung ist heute auf dem absteigenden Ast, denn die Haupt-Zielgruppen tauschen in ihrer Freizeit zunehmend Fernseher gegen das Internet ein.

Zeit für einen neuen Wandel! Während weiterhin Produkte und Marken in Werbespots beworben werden, finden zusehends auch Unternehmen und Anbieter von verschiedenen Dienstleistungen den Weg zur Steigerung ihrer Verkaufszahlen.
Erklärvideos heißt der neue Trend, in dem komplexe Sachverhalte, sowie komplizierte Dienstleistungen in kurzen Clips ihre Arbeit darlegen und vorwiegend im Internet veröffentlichen.

So führen diese Videos dazu, dass Zuschauer den Nutzen des Angebots verstehen und damit zu potentiellen Kunden werden. Der Erfolg dieser verkaufsoptimierten Kurzfilme liegt dabei vor allem in den Händen des Video-Herstellers. Hohe Qualitätsansprüche und kurze Aufmerksamkeitsspannen der Internetnutzer, setzen bei der Produktion und Platzierung der Erklärvideos eine große Kenntnis der menschlichen Psyche voraus. Ist der Film letztendlich gelungen, steigert er laut TMG bei 85% der Verbraucher die Bereitschaft, das beworbene Produkt zu erwerben.

Zusätzlich entfallen für den Unternehmer teure TV-Werbezeiten, denn die Videos werden in der Regel direkt auf den Webseiten oder auf speziellen Landing-Pages eingesetzt und können daher kostengünstig und erfolgsorientiert über Online-Anzeigen beworben werden.

Bestes Beispiel für einen großen Erklärvideo-Erfolg ist das Dropbox Video. In kürzester Zeit schaffte es Dropbox mit nichts weiter als einem Download-Button und einem Erklärvideo auf ihrer Startseite, zu 100 Millionen Nutzern. Diese 120 Sekunden und eine Website, die sich völlig auf die Wirkung ihres Videos verlässt, brachten Dropbox einen Anstieg der Anmeldungen um 10% ein:

 

Fazit: Das Erklärvideo entwickelt sich zum Werbefilm des Internet-Zeitalters

Von langen, trockenen Kurzfilmen im Kino, zum Einzug ins TV und damit zur Massenverbreitung der Werbevideos. Im harten Konkurrenzkampf entwickelte Methoden und Strategien zur Videoproduktion. Schließlich die Entdeckung des Internets als Verkaufsmedium und nun die „Erfindung“ des Erklärvideos als neues Verkaufsinstrument in Videoform. Alle Erfahrungen mit verschiedenen Zielgruppen und Marketing, die seit der Erfindung der Werbung gemacht wurden, sind Grundlage, sowie Inspiration, um Werbevideos immer weiter zu optimieren. So können wir auch für die neuste Errungenschaft, dem Erklärvideo, viel aus Frauengold, Melitta-Mann und Co. lernen. Sei es auch nur die Ermahnung, nie den Zeitgeist und dessen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren.

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