Am 21. Oktober 2014 entschied der Europäische Gerichtshof, dass das Einbinden von fremden Inhalten auf eigener Website legal ist, solange diese bereits öffentlich im Internet vorhanden sind. Eine Urheberrechtsverletzung findet in diesem Fall nicht statt. Dieses Urteil erfreut Nutzer von Sozialen Netzwerken, doch bereitet gleichzeitig viele Probleme für Urheberrechtsinhaber.  Lesen Sie weiter, um zu erfahren, was es für Sie und Ihr Erklärvideo bedeutet!

In dem Gerichtsverfahren wurden die sogenannten “Framenden Links” untersucht. Mithilfe dieser lassen sich verschiedene Inhalte (v.a. YouTube-Videos, aber auch einzelne Tweets oder Facebook-Posts) auf fremden Seiten in einem Rahmen darstellen.

Sind Sie in Facebook besonders aktiv, wissen Sie was es bedeutet. Täglich teilen mehrere Nutzer urheberrechtlich geschützte Videos (wie Musikvideos) auf Ihren Profilseiten.

In diesem Fall, der vom Bundesgerichtshof an den EuGH weitergeleitet wurde, klagte ein Hersteller von Wasserfiltersystemen gegen zwei Handelsvertreter, die für Konkurrenzunternehmen gearbeitet haben. Ein Werbefilm wurde aus der Internetseite des Herstellers entnommen und soll auf der eigenen YouTube-Plattform ohne seine Zustimmung hochgeladen worden sein, um später auf der Beklagten-Seite eingebunden zu werden. Das Einbetten des Videos sollte also gegen den Paragraf 19a des Urheberrechtsgesetzes verstoßen.

Nun meinte EuGH in seiner Entscheidung, dass Einbetten eines YouTube-Videos keine Rechtsverletzung darstellt und es sich in diesem Fall um keine öffentliche Wiedergabe handelt, solange kein neues Publikum und keine neue Wiedergabtechnik benutzt wurde. Der EuGH geht jedoch weiter und begründet, dass der Hersteller, der das Video auf seiner Seite hochlädt dessen Inhalt dem ganzen Publikum im Internet zur Verfügung stellt. Aus diesem Grund, muss er damit rechnen, dass das Video sich weiterverbreitet und im Nachhinnein auf anderen Kanälen zu finden ist.

Was bedeutet das jetzt für Sie und Ihr Erklärvideo?

Videoinhaber haben es jetzt schwieriger ihre Inhalte im Internet zu schützen. Sie können nicht verhindern, dass ihre Videos weiterverbreitet werden, indem sie auf neuen Kanälen hochgeladen, bzw. geteilt werden. Im schlimmsten Fall, können diese unter anderem Namen publiziert werden, ohne dass der wahre Hersteller genannt wird. So wie es in dem Streitfall der Fall war.

Social Media-Nutzer erfreuen sich über weiterbestehende Möglichkeit ihre Lieblingsvideos mit anderen zu teilen, ohne dabei eine Urheberrechtsverletzung begehen zu müssen. Dieses Urteil spricht auch alle an, die an das Internet als eine freie und allgemeinzugängliche Struktur glauben.

Sie und Ihr Erklärvideo bleiben aber nicht hilflos in dieser Situation. Wenn Sie bestimmte Maßnahmen ergreifen, können Sie dafür sorgen, dass Ihr Erklärvideo nicht ohne Ihrer Zustimmung weiterverbreitet wird. Machen Sie es besonders schlau, so gewinnen Sie zusätzliche Trafficquellen und verbessern sogar die Leistung Ihres Erklärvideos.

Setzen Sie das Video auf “privat” auf allen Video-Portalen

Eine sehr radikale Lösung, die den Traffic Ihres Videos erheblich runterschrumpft, doch damit können Sie kontrollieren, wer das Video überhaupt zu sehen bekommt. Nur Nutzer, die über einen Link verfügen, können es sich anschauen.

Verbergen Sie das Video im “Deep Web”

Ebenfalls mit dieser Lösung halten Sie den Traffic unter Kontrolle. Hierbei wird das Video in tiefen Hierarchien Ihrer Website versteckt, zu denen Zugangsdaten erforderlich sind. Eine solche Lösung ist z.B. Intranet für Mitarbeiter.

Wie Sie sehen, eignen sich diese beiden Maßnahmen eher für Erklärvideos, die Intern genutzt werden. Wollen Sie weiterhin das Erklärvideo als eine Werbemaßnahme nutzen, haben Sie folgende Möglichkeiten:

Nutzen Sie Wasserzeichen

Platzieren Sie ein Wasserzeichen in Form Ihres Firmenlogos irgendwo in dem Videoplayer. Der Aufwand, um das Zeichen zu löschen ist viel zu hoch. Das Erklärvideo bleibt somit mit Ihrer Marke geschützt.

Nennen Sie Ihre Marke im Video

Verwenden Sie Ihren Markennamen mehrmals im Video – entweder als Bild (z.B.: am Anfang mit kurzer Einblendung Ihres Firmenlogos), oder als Ton (“Die Erklärvideos von Videoboost…”).

Teilen Sie Ihr Video selber in mehreren Kanälen

Damit stellen Sie sicher, dass Sie selbst für den Upload verantwortlich sind und geben somit anderen Nutzern keinen Grund das Video in weiteren Kanälen zu verbreiten. Außerdem öffnet Ihnen diese Lösung neue Trafficquellen.

Zusammenfassend sorgt das Urteil des EuGH für große Aufregung innerhalb der Urheberrechtsinhaber. Zu beachten ist, dass das Urteil sich nicht nur auf Videos bezieht, sondern auch auf Bilder, Tweets und Facebookbeiträge. Somit können diese einfach eigengemacht werden, indem Sie in einem Frame eingebunden werden. Seien Sie besonders vorsichtig und schützen Sie entsprechend Ihre Inhalte, z.B.: mit Wasserzeichen.

Quellen: Spiegel.de , gizmodo.de , curia.europa.eu

Bild: Copyright (c) Depositphotos.com/ alexwhite

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